CHANCEN.LEBEN
CHANCEN.LEBEN
Heute wird uns vermittelt, dass alles für jeden möglich ist, wenn er oder sie nur wirklich will. Berufliche Positionen und sozialer Status seien an die individuelle Leistung geknüpft, unabhängig von der Herkunft. Im Umkehrschluss hieße das, wer es nicht geschafft hat, ist selbst für sein Unglück verantwortlich. Selbstoptimierungsratgeber und Frühförderung scheinen für ein erfolgreiches Leben unverzichtbar. Doch wir können unser eigenes Leben, unsere eigene Geschichte nicht ausschließlich unter selbst gewählten Voraussetzungen und aus freien Stücken gestalten. Wir müssen uns mit vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen arrangieren. Und nicht immer gelingt dies auch. Soziale Mobilität ist ein relativ junges Phänomen, das zunächst hauptsächlich die männliche Bevölkerung erfasste. Trotz Gleichbehandlungsgesetz ist es für Frauen und Angehörige von Randgruppen selbst heute noch ungleich schwerer Karriere zu machen.
Heute kaum mehr vorstellbar musste bis in die Zwischenkriegszeit für eine Lehrausbildung der Lehrherr, die Lehrherrin bezahlt werden. Meist durften daher nur die Söhne eine Berufsausbildung machen, denn Mädchen würden ja sowieso heiraten, hieß es vielfach. Selbst für Mädchen aus den gehobenen sozialen Schichten war der Zugang zu höherer Bildung lange Zeit schier unmöglich. Erst 1896 wurden junge begabte Frauen in Österreich zur Matura zugelassen. Ab 1897 durften sie an den philosophischen Fakultäten der Universitäten regulär studieren. 1900 öffnete sich ihnen die medizinische Fakultät, 1919 die juridische und erst 1945 die katholisch-theologische Fakultät.
In den 1970er Jahren wollte die Regierung Kreisky mit ihrer großen Bildungsreform einen faireren Bildungszugang für alle garantieren. Ein dichtes Netz an höheren Schulen überzog bald das Land und Aufnahmeprüfungen wurden aufgegeben. Gratis Schulbücher und die Schulfreifahrt sollten wirklich allen begabten Kindern eine höhere Bildung möglich machen. Auch der Zugang zu den Universitäten wurde geöffnet, Studiengebühren abgeschafft und ein dichtes Unterstützungsnetz geschaffen. Die einst angestrebte und auch ein Stück weit erreichte soziale Durchlässigkeit ist jedoch längst wieder in den Hintergrund getreten. Der Bildungszugang wird durch Aufnahmeprüfungen, Leistungsdruck, Selbstbehalte und Gebühren reglementiert. Matura und Studienabschluss garantieren heute weder einen sicheren Arbeitsplatz noch einen Aufstieg.
Unsere Lebenschancen werden jedoch auch von dem Ort geprägt, an dem wir leben. Gibt es in der Nähe Arbeitsmöglichkeiten und Aufstiegschancen? Vielfach muss das gewohnte Umfeld verlassen werden, um Arbeit zu finden. Nicht immer ist diese nötige Mobilität mit den familiären Verpflichtungen vereinbar.
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